Erdbau: Definition, Prozesse und Leistungen
Erdbau umfasst alle Baumaßnahmen, bei denen Boden in seiner Lage, Form oder Lagerungsbeschaffenheit verändert wird. Als Teilgebiet des Tiefbaus bildet der Erdbau die Grundlage für Bauwerke wie Gebäude, Straßen, Leitungen und Außenanlagen. Unabhängig von der Bodenart stehen dabei immer die gezielte Formgebung des Geländes und die sichere Vorbereitung des Baugrunds im Mittelpunkt.
Grundprozesse im Erdbau
Im Erdbau werden fünf zentrale Grundprozesse unterschieden, die je nach Projekt einzeln oder kombiniert ausgeführt werden:
- Lösen: Abtrennen und Auflockern des Bodens mit Baggern, Fräsen oder anderen Erdbaumaschinen.
- Laden: Aufnehmen des gelösten Bodens und Verladen auf Transportfahrzeuge.
- Fördern: Transport der Erdmassen innerhalb der Baustelle oder zu Deponien und Zwischenlagern.
- Einbauen: Gezieltes Einbringen des Bodens an neuer Position, etwa für Aufschüttungen oder Geländemodellierungen.
- Verdichten: Mechanische Verdichtung zur Erhöhung der Tragfähigkeit und zur Minimierung von Setzungen.
Abtrag, Auftrag und Erdmassenbewegung
Im Erdbau wird zwischen Abtrag und Auftrag von Boden unterschieden. Beim Abtrag wird Boden abgetragen, um Baugruben, Leitungsgräben oder Geländestufen herzustellen. Beim Auftrag werden Erdmassen aufgeschüttet, um Gelände anzuheben, Flächen zu ebnen oder Dämme zu errichten. Die fachsprachlich als Erdmassenbewegung bezeichnete Erdmengenbewegung beschreibt die Planung und Optimierung dieser Volumenströme.
Zu den typischen Leistungen zählen:
- Bodenabtrag für Baugruben, Fundamente und Leitungsgräben
- Erdmengenbewegung zur wirtschaftlichen Verteilung von Aushub und Auffüllmaterial
- Bodenverfüllung von Gräben, Baugruben und Hohlräumen mit anschließender Verdichtung
Professionell ausgeführter Erdbau schafft einen tragfähigen, standfesten Baugrund und bildet damit die Basis für sichere und langlebige Bauwerke im Hoch- und Tiefbau. Weitere Informationen zu Leistungen im Tiefbau bietet eine ergänzende Übersicht zum Tiefbau.
Erdbaumaschinen
Nach DIN EN 474-1 sind Erdbaumaschinen "Selbst fahrende oder gezogene Maschinen auf Rädern, Raupen oder Stützbeinen, mit Arbeitseinrichtung oder Arbeitsausrüstung (Arbeitswerkzeug), primär konstruiert für Graben, Laden, Transportieren, Verteilen, Verdichten oder Fräsen von Erde, Gestein oder ähnlichen Materialien."[3] In der Baugeräteliste sind die Erdbaumaschinen in Gruppe D aufgeführt.
Geräteschlüssel
Maschinen und Geräte werden in der BGL anhand eines mehrstelligen Geräteschlüssels eindeutig beschrieben. Ausgehend von der Gerätehauptgruppe wird weiter nach Gerätegruppe, Geräteuntergruppe, Geräteart, Gerätegröße und Zusatzausrüstung bzw. Zusatzgerät unterschieden.Folgendes Beispiel soll zum Verständnis der Schlüsselstruktur dienen:
D.3.10.0055.AA – Radlader (Verbrennungsmotor) mit einer Motorleistung von 55 kW und Schnellwechseleinrichtung

Die Gerätegröße wird auch als Kenngröße bezeichnet und dient zur Unterscheidung innerhalb einer Geräteart. Kenngrößen können beispielsweise das Gewicht, die Tragkraft oder die Motorleistung einer Maschine oder eines Gerätes sein. Der jeweiligen Kenngröße sind weitere Daten, wie beispielsweise der mittlere Neuwert und die monatlichen Reparaturkosten sowie die monatlichen Abschreibungs- und Verzinsungsbeträge, zugeordnet.
